Was Microservices versprochen haben – und was sie kosten
Microservices versprachen unabhängige Deployments, freie Technologiewahl pro Service und eine Skalierbarkeit, die monolithische Systeme nicht bieten konnten. Für Unternehmen wie Netflix, Amazon und Spotify – mit tausenden Entwicklern und globalen Nutzerzahlen – war diese Architektur eine nachvollziehbare Antwort auf reale Probleme.
Doch die meisten Organisationen sind nicht Netflix. Sie haben Teams von 5 bis 50 Entwicklern, eine überschaubare Domänenkomplexität und keine Notwendigkeit, einzelne Services unabhängig auf Millionen von Requests zu skalieren. Für diese Unternehmen bringen Microservices Kosten mit, die selten in der ursprünglichen Architekturentscheidung eingepreist waren:
- Netzwerkkomplexität: Jeder Aufruf zwischen Services ist ein potenzieller Fehlerfall. Timeouts, Retries, Circuit Breaker und Service Discovery erzeugen eine Infrastrukturschicht, die gewartet und verstanden werden muss
- Verteilte Datenhaltung: Jeder Service besitzt seine eigene Datenbank. Konsistenz über Servicegrenzen hinweg erfordert Patterns wie Saga oder Event Sourcing – beides erheblich komplexer als eine Transaktion in einer gemeinsamen Datenbank
- Debugging und Observability: Ein Fehler, der drei Services durchläuft, ist um Größenordnungen schwerer zu diagnostizieren als ein Stacktrace in einem Monolithen. Distributed Tracing, zentralisiertes Logging und Correlation IDs sind keine optionalen Extras, sondern Voraussetzung
- Deployment-Orchestrierung: 30 unabhängig deploybare Services klingen nach Agilität. In der Praxis bedeuten sie 30 CI/CD-Pipelines, Versionskonflikte zwischen APIs und ein Release-Management, das Koordination erfordert
Die Frage ist nicht, ob Microservices funktionieren. Sie funktionieren – unter bestimmten Voraussetzungen. Die Frage ist, ob die Voraussetzungen in der eigenen Organisation gegeben sind.







